Weiter nach Norden, zunächst wieder am Strand entlang.
Abstecher in das kleine Dorf Azurara zum Kloster von 1515, leider vormittags geschlossen.
Kloster Azurara Kreuz vor der Dorfkirche in Azurara
Als nächstes erreiche ich die Brücke über den Fluss „Ave“, der mir bisher nur aus dem Kreuzworträtsel bekannt war.
Kloster Santa Clara am anderen UferUferansicht
Dahinter liegt der Ort Vila do Conde mit dem imposanten Kloster auf dem Hügel.
Monasterio Santa ClaraHier geht es zum Kloster hoch
Erst bei Erreichen des Klosters kann man auch die Reste des noch gut erhaltenen Aquäduktes bewundern.
Das Aquädukt, das ursprünglich einmal über sieben Kilometer Wasser in das Kloster brachte, wurde noch im Mittelalter geplant, aber erst 1714 fertiggestellt.
Das Aquädukt hatte ursprünglich einmal 999 Bögen, die aber nicht mehr alle erhalten sind. Trotzdem ein sehr beeindruckendes Bauwerk.
Blick auf Vila do Conde am Fluss Ave Eingang zum MarktplatzAltstadt, klar strukturiertMitten in der Altstadt ein erschreckendes Szenario Altes Schiff, heute MaritimmuseumKunst am FlussuferAnkunft in Povoa de VarzimFestungInnenstadt von Pavoa de Varzim Am Wegesrand, so schön Ankunft nach 15 Tageskilometern
Schon vor 10 Jahren wollte ich den Jacobsweg laufen, aber es schien nie den richtigen Zeitpunkt zu geben. „Jetzt oder nie“, ich bin das Verschieben leid und habe vom Flug bis zu den Unterkünften alles durchgebucht für einen „Alleingang“ im wahrsten Sinne des Wortes.
Innenhof Kathedrale
Gesagt getan bin ich heute vom Flughafen nach Porto mit dem Bus gefahren, um mir in der Kathedrale den klassischen ersten Stempel abzuholen.
Kreuzgang mit FliesenreliefsAltarbereich wird fleissig renoviert
Als Pilgeranfängerin habe ich nach einem sanften Einstieg gesucht. Der Küstenweg in Portugal soll eine gute Einstiegssttecke auch für Neulinge sein als Alternative zum spanischen Camino. Ausserdem kann ich so in nur 2 Wochen das Ziel erreichen und muss den Weg nicht auf mehrere Strecken verteilen.
Jetzt geht’s los
Nordwestlich von Porto in Matosinhos geht es dann los. Direkt am Atlantik. Traumhaftes Wetter, der kühle Nordwind macht das Laufen angenehm, in der Stadt war es mir mit 7kg Gepäck auf dem Rücken schon zu warm .
Herrliche Wegführung auf Holzbohlen mitten durch die Dünen.
Später wird es immer ländlicher, kleine Fischerdörfer reihen sich aneinander.
FlussmündungStilleImmer wieder Strandbars mit Meerblick Beschwerlicher „Endspurt“ durch den feinen Sand
Nach 25 km erreiche ich erschöpft aber zufrieden die erste Unterkunft.
Manchmal muss man gar nicht so weit fahren, um ein wenig Urlaubsfeeling zu spüren. Heute geht es mit dem Fahrrad durch den Grüngürtel zum Decksteiner Weiher, quasi parallel zum Militärring.
Angelegt wurde der Parkweiher künstlich mit gradlinigen Ufern im Auftrag Konrad Adenauers Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts im Rahmen der Umgestaltung des ehemaligen Kölner Festungsringes.
Kunst am Wegesrand
Inzwischen sind die in gleichmäßigem Abstand gepflanzten Kastanien am Rundweg stattliche und imposante Bäume und bieten im Sommer eine fast geschlossene Blätterdecke, die vor Sonne schützt.
Sie wirken einzeln und in der Gesamtschau majestätisch. Gerade jetzt im Frühling ist das frische Grün eine Augenweide.
Hier kann man spazieren oder joggen, den Hund Gassi führen, mit dem Rad um den See fahren (10 km) oder einfach am Ufer von einer Bank aus die vielen Schwäne beobachten und die Seele baumeln lassen.
Genießer 😉
Als Abschluss bietet sich ein Kaffee auf der Terrasse des „Haus am See“ an mit Blick aufs Wasser. Da kommt fast ein bisschen Urlaubsstimmung auf und man vergisst für kurze Zeit, dass man sich in einer Großstadt befindet.
Haus am See
Im Sommer kann man hier auch Boote mieten. Ein Minigolfplatz mit Imbiss und Aussengastronomie bietet auch eine Alternative bei schönem Wetter.
Johann Sebastian Bach wurde am 21. März 1685 in Eisenach geboren. Bis heute dachte ich, dass er aus Leipzig stammt, aber dorthin kam er erst später in seiner Hauptschaffenszeit. Gestorben ist er aber dort am 28.Juli 1750. Bis zum 10. Lebensjahr wuchs der kleine Sebastian in Eisenach auf. Dann wurde er schon Vollwaise und zog zu seinem 13 Jahre älteren Bruder, bei dem er die erste musikalische Ausbildung erhielt. Das Bach-Museum gibt es schon seit 1907.
Bachdenkmal auf dem Museumsvortrag
Im historischen Bachhaus sind Wohnräume aus Bachs Zeiten zu besichtigen. Hier findet stündlich ein kleines Konzert auf historischen Musikinstrumenten aus der Bachzeit vor.
Historisches Bachhaus, Gartenseite
Zum 100jährigen Bestehen des Museums wurde ein Neubau an den Altbau angesetzt. Ich finde diesen Betonklotz so architektonisch daneben, dass ich ihn sogar aus Abscheu nicht fotografiert habe. Innendrin ist es allerdings prima gestaltet mit allem, was einen Museumsbesuch von heute nicht langweilig werden lässt.
Jetzt kenne ich also die Unterschiede von Spinett, Clavichord und Cembalo, weil sie der vortragende Musiker so nett erklärt hat.
Wenn man schon mal an der Grenze zu Thüringen ist, ist Eisenach mit der berühmten Wartburg eigentlich nur noch einen Sprung entfernt. Die wollte ich mir schon lange mal anschauen, steht auf meiner Löffel-Liste (= Liste mit Dingen, die noch zu verwirklichen sind, bevor man den Löffel abgibt ;-).
Der Klassiker
Zu Fuss erklimmen wir den recht steilen Weg zur Burg hoch über Eisenach. Nette Schautafeln zu Luthers Leben machen den Weg interessant und es fällt nicht so auf, dass ich bei dem bisschen Steigung schon schnell ausser Atem bin. Aber zu Luther kommen wir später noch.
Strahlender Sonnenschein und blauer Himmel lässt den Aufstieg angenehm werden. Ca.3 km von der Stadtmitte Eisenberg aus erreichen wir den historischen Ort des Begehrens, um eine weitere Bildungslücke zu schließen.
Blick von der Burg aus zurück
Die ehrwürdige Burg spätromanischer Baukunst hat seit dem 12. Jahrhundert schon so einiges in der deutschen Geschichte mitgemacht. In diesem Zusammenhang erscheint die Teilung Deutschlands auf der Zeitleiste fast zur Bedeutungslosigkeit zusammenzuschrumpfen.
Innenhof
Zurück zum ehrwürdigen Gemäuer. Im Innenhof flattern ein paar weisse – landläufig als Friedenstauben bekannte – Vögelchen herum. Hoffentlich ein gutes Zeichen, dass der Ukrainekrieg bald beendet sein wird. Hier in Thüringen ist man schon ein beunruhigendes Stück näher dran als im heimischen Rheinland.
Vogel mit starker Symbolkraft
Die Burg war berühmter Schauplatz der schönen Künste im Mittelalter und hier wurden u.a. Lieder zur Laute von Walther von der Vogelweide (1170-1230) geschmettert und Dichtungen Wolframs von Eschenbach entstanden. Den Walther kennen wir ja schon aus Bozen, wo er in Bronze gegossen auf dem Marktplatz steht. Erstaunlich für uns moderne Menschen im Zeitalter von Internet und schnellen Autos uns vorzustellen, wie so ein „Song“ -ehemals Minnegesang- sich damals über so grosse Entfernungen verbreiten konnte und ein Hit wurde, der bis heute in Überlieferungen existiert.
Hier auf der Burg soll der sogenannte „Sängerkrieg“ stattgefunden haben. (Es handelt sich hierbei vermutlich um den Ursprung des heutigen ESC ;-)), der eingefleischten Wagnerianern aus dem „Tannhäuser“ bekannt sein sollte. War mir persönlich neu, bin aber auch kein Fan der stundenlangen düsteren Musikexesse von Richard Wagner.
Ebenso bekannt und verehrt bis heute soll die Heilige Elisabeth von Thüringen sein, von deren Leben und Wirken zwei der Palasräume in den Wandbildern erzählen. Noch eine weitere Bildungslücke geschlossen, ist vielleicht für eine Frage bei Günter Jauch mal wichtig ;-).
Bilderwände
Nun springen wir weiter in der Geschichte und befinden uns jetzt in den authentischen Räumlichkeiten, über deren knarzende Dielenbretter schon Martin Luther von Mai 1521 bis zum März 1522 gelaufen ist. Das ist genau ein halbes Jahrtausend her und die schöne Burg steht immer noch. Das macht mich tatsächlich ein wenig ehrfürchtig. Dies ist also die Geburtsstätte der Lutherbibel.
Martin Luther, gemalt von Lucas Cranach Luthers Arbeitszimmer
Lucas Cranach der Jüngere aus Wittenberg war wie sein Vater (praktisch: der war Lucas Cranach der Ältere) ein guter Bekannter von Luther. Er hat u.a. Luthers Eltern portraitiert und ihn auch später bei der Vervielfältigung von Flugschriften unterstützt.
Luthers Eltern, von Cranach portraitiert
Als Maler reformatorischer Altäre, als Porträtist und hochbegabter Zeichner gab auch Lucas Cranach der Jüngere der Reformation ein Gesicht und hat uns viele Portraits aus der Reformationszeit überliefert. 1550 übernahm er die Werkstatt seines Vaters in Wittenberg, dessen Malstil er lange beibehielt.
Etliche reformatorische Flugschriften, eine von Luther handschriftlich kommentierte Bibel und verschiedene Gegenstände aus seinem Besitz runden das historische Highlight ab.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte die zur Ruine gewordene Wartburg das grosse Glück, einen Liebhaber im Großherzog Carl Alexander zu finden, der sie umfassend erneuerte und dekorativ ausgestaltete. Die mittelalterliche Bausubstanz wurde erhalten und restauriert als Denkmal von nationaler Bedeutung (danke, Carl Alexander für deine Weitsicht!) und durch stimmige Neubauten ergänzt.
Anlässlich des 300.Jahrestages der Reformation und des 4. Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig versammelten sich genau hier in diesem Saal-vermutlich ohne Bestuhlung, sonst hätten sie nicht alle reingepasst- am 18. Oktober 1871 rund 500 Studenten und einige Professoren von 11 Universitäten. Ziel war die Erschaffung eines einheitlichen Deutschlands, erstmals wurden die Farben der heutigen Bundesflagge schwarz-rot-gold als Symbol der nationalen Einheit zur Schau gestellt. Wieder ein Meilenstein auf dem Weg zur Bundesrepublik. Und hier bist du quasi mit dabei im historienumwobenen Festsaal.
Der historische Saal
Insgesamt ist die Besichtigung der Wartburg sehr vielfältig, interessant und für Geschichts- und Burgenfans gleichermaßen sehenswert. Weitere Infos findet Ihr hier:
Kennt vermutlich keiner. Verwandtenbesuch führt mich für ein Wochenende hierhin und ich erfahre einiges über die ehemalige Grenzstadt an der Werra. Grenze Hessen Thüringen und auch leider viel zu lange innerdeutsche Grenze.
Großburschla wurde zur sowjetischen Enklave in der amerikanischen Zone.
Während der innerdeutschen Teilung nach 1945 ragte aufgrund einer merkwürdigen Grenzziehung das thüringische Großburschla ca. 7 km nach Hessen hinein und lag damit komplett im Grenzgebiet der DDR. Es durfte nur von Anwohnern und Menschen mit besonderer Genehmigung betreten werden.
Kaum zu glauben, dass Grossburschla aufgrund der geschützten Lage im Werratal einst eine blühende Ortschaft war. Es wurde sogar Tabak angebaut! Der Ort versorgte bis in die 1960er Jahre zahlreiche Tabakfabriken im Umland.
Einige traurige Relikte aus früherer Zeit Das „Hessische Ende“ als Strassenschild
Hier noch zwei Orte in der Nähe von Grossburschla:
Heute erzähle ich von einem Ausflug ganz in die Nähe von Köln zum Schloss Morsbroich in Leverkusen. Es liegt wie eine Insel im verkehrsreichen Drumherum und umgeben von einem Skulpturenpark mit altem Baumbestand. Vor diesem Besuch war mir das Schloss nicht bekannt. Anlass des Ausflugs ist eine Ausstellung von Mischa Kuball, genannt ReferenzRäume, die sich im Schloss befindet.
1775 wurde das Schloss im Rokoko-Stil errichtet. Als Vorbild diente das Jagdschloss Falkenlust in Brühl. Etwa zur gleichen Zeit wurde auch ein dazugehöriger englischer Landschaftsgarten angelegt. Das Schloss empfängt den Besucher mit einer Art von Leichtigkeit, vielleicht auch aufgrund des einladenden rund angelegten Innenhofes.
Das Museum im Schloss ist ein Museum für Gegenwartskunst, beziehungsweise das komplette Schloss IST ein Museum. Als erstes Museum für moderne bzw. zeitgenössische Kunst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Bundesrepublik Deutschland wurde es im Januar 1951 eröffnet. Träger ist die Stadt Leverkusen.
Zehn bis zwölf Mal im Jahr bieten wechselnde Ausstellungen eine internationale Szenerie der zeitgenössischen Kunst. Werke von Josef Beuys, Gerhard Richter, Günther Uecker etc. sind dort schon zu sehen gewesen.
Heute ist die Ausstellung von Mischa Kuball zu erkunden. Kuball, Jahrgang 1959 und wohnhaft in Düsseldorf, hat dazu gesagt: „Eine kleine Reise durch 30 Jahre meiner künstlerischen Arbeit “ und „Das Licht ist mein Material, weil ich glaube, damit eine Situation verändern zu können“. Doch seht selbst, hier sind einige ausgewählte Eindrücke:
Fachgerechte Führung Five PlanetsSpiegelsaal„Stadt durch Glas“Im Spiegelsaal finden auch Empfänge und Trauungen stattAussenbereich Kunst von 1949Skulpturenpark Jetzt ist geschlossen Sinnspruch über dem Ausgang des Geländes
Die weissen Dünen von Corralejo sind heute das erste Ziel unserer Fahrt mit dem Mietwagen vom Hafen in Puerto del Rosario aus. Sie liegen im Nordosten der Insel und stehen seit den 80er Jahren unter Naturschutz. Du fühlst dich sofort in die Sahara versetzt.
Die Insel hat im Durchschnitt nur fünf Regentage im Jahr, richtig kalte Tage gibt es nicht. Nachts kann es im Winter ganz selten schon mal bis zu 10 Grad kühl werden. Im Sommer herrschen angenehme Temperaturen, die selten über 28 Grad steigen.
In der Nähe gibt es wunderbare lange weisse Sandstrände und es sind viele Surfer hier zu sehen.
Porto de Fuste
Das nächste Ziel ist der schöne Jachthafen von Puerto de Fuste, etwas südlich des Flughafens. Ein ruhiger Ort um ein altes Kastell herum, sehr schick, sehr touristisch an einer ausladenden Bucht gelegen.
Castell de FusteJachthafen
Die Insel erscheint mir insgesamt unspektakulär, viel Sand, wüstenähnluche Gegenden, zumindest das, was wir in kurzer Zeit auf der Autotour entdeckt haben.
Hiermit endet auch die Kreuzfahrt, denn morgen geht es wieder nach Hause. Schön war es.
Spätabends erreichen wir Lanzarote und entschließen uns bei milden Temperaturen zu einem kleinen Erkundungsrundgang um die Marina der Hauptstadt Arrecife.